Die wirksamsten Schritte zur Sturzprävention beginnen dort, wo Ihr Angehöriger jeden Tag unterwegs ist: auf dem Weg vom Bett zur Toilette, im Bad und auf der Treppe. Stürze im Alter sind häufig. Nach Daten des Robert Koch-Instituts sind 2022 rund 23,8 Prozent der Menschen ab 65 Jahren mindestens einmal innerhalb von zwölf Monaten gestürzt, bei den über 80-Jährigen waren es 33,5 Prozent.
Für die Sturzprävention bei Senioren zu Hause helfen Sie am meisten, wenn Sie zuerst Stolperfallen und dunkle Wege beseitigen, danach Bad und Treppe mit Haltegriffen und rutschfesten Flächen sichern und parallel regelmäßige Kraft- und Gleichgewichtsübungen unterstützen. Dazu kommen ein ärztlicher Blick auf Medikamente und Sehkraft sowie ein Plan für den Notfall.

Sturzprävention im Alter hat ein klares Ziel: Ihr Vater, Ihre Mutter oder Ihr Partner soll sich weiter frei und selbstbestimmt bewegen können. Mit den folgenden Maßnahmen können Sie gemeinsam entscheiden, was zuerst angegangen wird und wo sich professionelle Hilfe lohnt.
Beginnen Sie mit allem, was auf den täglichen Laufwegen liegt, steht oder im Dunkeln verschwindet. Lose Teppiche, Kabel und schlechte Beleuchtung lassen sich meist an einem Nachmittag beheben, und genau diese Punkte sind klassische Auslöser für Stürze im Haushalt.
Gehen Sie die Wohnung einmal gemeinsam mit Ihrem Angehörigen ab, am besten auf den Wegen, die er selbst täglich nutzt. Achten Sie dabei auf Dinge, die Sie selbst längst übersehen: Zeitungsstapel neben dem Sessel, die Tasche im Flur, der Wäschekorb vor dem Bad.
Diese Punkte haben sich bewährt:
Sprechen Sie jede Veränderung vorher ab. Wer sich in seiner Wohnung plötzlich fremd fühlt, bewegt sich unsicherer, und das Umräumen soll ja gerade Sicherheit geben.
Der nächtliche Gang zur Toilette gehört zu den riskantesten Wegen des Tages. Man ist schläfrig, der Kreislauf ist noch nicht in Schwung, und oft wird aus Rücksicht kein Licht eingeschaltet.
Praktische Lösungen sind:
Denken Sie auch an den Außenbereich: Hauseingang, Briefkasten und Mülltonnen werden oft in der Dämmerung aufgesucht.
Offene Pantoffeln, ausgetretene Hausschuhe oder Socken ohne Noppen bieten auf glattem Boden kaum Halt. Gut sind geschlossene Hausschuhe mit rutschfester Sohle und fester Ferse, die sich leicht anziehen lassen.
Schauen Sie sich auch Sessel und Sofa an. Sind sie sehr tief und weich, wird jedes Aufstehen zum Kraftakt. Feste Sitzflächen mit Armlehnen oder Möbelerhöher erleichtern das Hochkommen deutlich.
Häufig genutzte Dinge wie Teller, Tassen oder Handtücher gehören in Griffhöhe zwischen Hüfte und Schulter. So entfällt das Steigen auf Stühle oder Leitern und das tiefe Bücken.
Bad und Treppe werden mit festen Haltegriffen, rutschhemmenden Flächen und gutem Licht deutlich sicherer, oft schon ohne Umbau. Größere Maßnahmen wie eine bodengleiche Dusche oder ein Treppenlift kommen dann infrage, wenn die Kraft für Wannenrand oder Stufen dauerhaft nicht mehr reicht.
Nasse Fliesen, Seifenreste und ein hoher Wannenrand machen das Bad zu einem der heikelsten Räume. Mit ein paar Hilfsmitteln lässt sich viel erreichen:
Ein kleiner Tipp aus dem Alltag: Legen Sie Handtuch, Duschgel und Bademantel so bereit, dass Ihr Angehöriger nichts mit nassen Füßen holen muss.
Größere Wohnraumanpassungen lohnen sich, wenn Hilfsmittel allein nicht mehr ausreichen. Typische Signale sind, dass das Übersteigen des Wannenrands nur noch mit Hilfe gelingt oder dass die Treppe gemieden wird und dadurch Räume ungenutzt bleiben.
Beim barrierefreien Badumbau steht meist der Tausch der Wanne gegen eine bodengleiche Dusche im Mittelpunkt. Ist ein vollständig ebenerdiger Einbau nicht möglich, gilt ein Rand von höchstens 2 cm als empfehlenswert, und Bodenfliesen in der Dusche sollten eine Rutschhemmung zwischen R9 und R11 haben.
Für die Treppe reichen oft schon diese Schritte:
Ein Treppenlift ist eine deutlich größere Investition. Er kommt vor allem dann infrage, wenn wichtige Räume wie Bad oder Schlafzimmer nur über die Treppe erreichbar sind. Lassen Sie sich vorher neutral beraten, bevor Sie Angebote einholen.
Einfache Kraft- und Gleichgewichtsübungen, regelmäßig im Alltag eingebaut, sind der wichtigste Baustein der Sturzprophylaxe, den Ihr Angehöriger selbst in der Hand hat. Wichtig ist, dass geübt wird, ohne dass Angst oder Überforderung entstehen.
Kraft in Beinen und Rumpf und ein trainiertes Gleichgewicht helfen, bei einem Stolpern rechtzeitig gegenzusteuern. Diese Übungen zur Sturzprophylaxe lassen sich gut zu Hause umsetzen, immer mit einer stabilen Stuhllehne oder Arbeitsplatte in Reichweite:
| Übung | So geht es | Ziel |
|---|---|---|
| Zehenstand | Hinter einem Stuhl stehen, langsam auf die Zehen kommen, kurz halten, absenken | Wadenkraft, Standsicherheit |
| Einbeinstand | Mit einer Hand festhalten, ein Bein leicht anheben, einige Sekunden halten, Seite wechseln | Gleichgewicht |
| Aufstehen vom Stuhl | Ohne Schwung aufstehen und wieder hinsetzen, Arme wenn möglich verschränkt | Oberschenkel, Alltagskraft |
| Fersen-Zehen-Gang | Entlang einer Wand einen Fuß direkt vor den anderen setzen | Koordination |
| Fußkreisen im Sitzen | Füße langsam in beide Richtungen kreisen | Beweglichkeit der Sprunggelenke |
Das Übungsprogramm der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rät ausdrücklich, das Training auch nach einem Sturz oder bei Sturzangst fortzusetzen, weil weniger Aktivität die Anfälligkeit weiter erhöht.
Bei Erkrankungen wie Parkinson, Arthrose oder nach Operationen sprechen Sie die Übungen vorher mit der Hausarztpraxis ab. Physiotherapie zur Sturzprophylaxe kann ärztlich verordnet werden und gibt eine individuelle Anleitung.
Kurze, feste Übungszeiten funktionieren besser als lange Einheiten. Zehn Minuten nach dem Frühstück oder während die Kaffeemaschine läuft sind realistischer als eine halbe Stunde Programm.
So unterstützen Sie gut:
Brechen Sie ab, wenn Schwindel, Schmerzen oder Atemnot auftreten, und klären Sie das ärztlich. Viele Orte bieten außerdem Gruppenkurse zur Sturzprävention an, in denen soziale Kontakte ein zusätzlicher Anreiz sind. Mehr Anregungen finden Sie unter Gesundheit von Senioren fördern.
Neben der Wohnung spielen körperliche Veränderungen die größte Rolle: nachlassende Muskelkraft, ein unsicherer Gang, schlechteres Sehen und Hören sowie Medikamente, die Schwindel auslösen. Meist treffen mehrere dieser Sturzrisikofaktoren zusammen.
Als Angehöriger bemerken Sie Veränderungen oft früher als Ärztinnen und Ärzte. Achten Sie auf diese Zeichen:
Der altersbedingte Muskelabbau, fachlich Sarkopenie genannt, verläuft schleichend und wird durch Bewegungsmangel und zu wenig Eiweiß in der Ernährung beschleunigt. Auch schlechtes Hören kann das Gleichgewicht beeinträchtigen.
Drei einfache Fragen helfen bei der Einschätzung: Ist Ihr Angehöriger im letzten Jahr gestürzt? Fühlt er sich beim Gehen unsicher? Hat er Angst zu stürzen? Wenn Sie eine davon mit Ja beantworten, lohnt sich ein Gespräch in der Hausarztpraxis. Regelmäßige Seh- und Hörtests gehören ebenfalls dazu. Hintergründe dazu bietet unser Beitrag zur Gesundheit von älteren Menschen.
Ein Medikamenten-Check ist immer dann sinnvoll, wenn regelmäßig mehrere Präparate eingenommen werden, ein neues Medikament dazugekommen ist oder Schwindel und Müdigkeit auffallen. Schlafmittel, Beruhigungsmittel, blutdrucksenkende und harntreibende Mittel stehen dabei besonders im Blick.
Bereiten Sie das Gespräch vor:
Setzen Sie Medikamente nie eigenständig ab. Die Entscheidung trifft die Ärztin oder der Arzt. Im Alltag hilft es, langsam aufzustehen: erst kurz auf der Bettkante sitzen, die Füße bewegen und dann aufstehen.
Hilfsmittel wie Rollator und Hausnotruf sowie verlässliche Begleitung im Alltag schließen die Lücken, die Umbau und Training allein nicht abdecken. Wer Hilfsmittel richtig nutzt, eine Notfallkette hat und Beratung zur Finanzierung einholt, gewinnt deutlich an Sicherheit.
Ein Rollator gibt Halt und schafft Mut für längere Wege. Entscheidend ist, dass er richtig eingestellt ist: Die Griffe sollten bei locker hängenden Armen etwa auf Höhe der Handgelenke liegen. Üben Sie das Bremsen, das Überwinden von Kanten und das Hinsetzen gemeinsam, gern mit Unterstützung aus dem Sanitätshaus oder der Physiotherapie.
Viele Stürze passieren in Momenten, in denen gerade niemand da ist. Hier hilft häusliche Betreuung: Eine Betreuungskraft begleitet beim Duschen oder Spaziergang, achtet auf Stolperfallen und motiviert zu Bewegung. Welche Formen der Altenbetreuung es gibt, hängt vom Unterstützungsbedarf ab, von stundenweiser Hilfe bis zur 24-Stunden-Betreuung aus Polen. Wie Sie strukturiert vorgehen, zeigt der Leitfaden in drei Schritten zu Ihrer Betreuungskraft.
Kein Plan verhindert jeden Sturz. Umso wichtiger ist, dass im Ernstfall schnell Hilfe kommt. Ein Hausnotruf mit Knopf am Handgelenk oder als Kette verbindet per Tastendruck mit einer Notrufzentrale. Manche Geräte und Smartwatches erkennen Stürze automatisch.
Sorgen Sie außerdem für:
Nach einem Sturz entwickeln viele Menschen Angst, erneut zu fallen, und bewegen sich weniger. Fachleute sprechen vom Post-Fall-Syndrom. Der Rückzug schwächt die Muskeln und macht den nächsten Sturz wahrscheinlicher. Sprechen Sie offen über die Angst, lassen Sie den Sturz ärztlich abklären und beginnen Sie behutsam wieder mit Bewegung, idealerweise begleitet durch Physiotherapie.
Wohnberatungsstellen in vielen Städten und Landkreisen schauen sich die Wohnung vor Ort an und empfehlen passende Maßnahmen, oft kostenlos. Auch Pflegestützpunkte und die Pflegeberatung der Pflegekasse helfen weiter.
Liegt ein Pflegegrad vor, schon ab Pflegegrad 1, zahlt die Pflegekasse für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen wie einen Badumbau bis zu 4.180 Euro je Maßnahme. Der Antrag muss vor Beginn der Arbeiten gestellt werden. Auch ein Hausnotruf kann als Pflegehilfsmittel bezuschusst werden, und der Entlastungsbetrag lässt sich für anerkannte Alltagsunterstützung einsetzen.
Hilfsmittel wie Rollator oder Toilettensitzerhöhung verordnet die Hausarztpraxis zulasten der Krankenkasse. Aktuelle Regelungen fasst unser Beitrag zur Pflege zu Hause im Jahr 2026 zusammen.
Sturzprävention gelingt am besten Schritt für Schritt und im Gespräch mit Ihrem Angehörigen. Freie Laufwege, Licht in der Nacht, Haltegriffe und rutschfeste Flächen im Bad bilden die Grundlage. Tägliche kurze Übungen für Kraft und Gleichgewicht, ein Blick auf Medikamente, Seh- und Hörvermögen sowie ein verlässlicher Notfallplan ergänzen sie.
Nach Angaben der Aktion Das sichere Haus lässt sich die Zahl schwerer Stürze durch Bewegung, ausgewogene Ernährung und Aufmerksamkeit für Gefahrenquellen um bis zu 40 Prozent vermindern. Beginnen Sie diese Woche mit einem gemeinsamen Rundgang durch die Wohnung, notieren Sie drei Punkte, die sich sofort ändern lassen, und vereinbaren Sie für größere Anpassungen einen Termin bei der Wohnberatung oder Pflegeberatung. Weitere Unterstützung rund um die Seniorenpflege finden Sie in unseren verwandten Ratgebern.